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Wer leistet einen Beitrag zum Frieden?

Krieg und Konflikt sind ein omnipräsenter Teil unserer Geschichte und Gegenwart.  Doch heute gibt es viele Organisationen, die sich um friedliche Lösungen bemühen und bleibenden Frieden zu ermöglichen.

Friedensförderung, oder auf Englisch Peacebuilding, ist ein Prozess, der laut dem Global Partnership for the Prevention of Armed Conflict (GPPAC) die Transformation sozialer und politischer Konfliktursachen sowie die Konfliktschlichtung und Versöhnung umfasst. Es handelt sich dabei auch um eine Community of Practice, einer „Gemeinschaft“ von Organisationen, die sich entweder explizit für Friedensförderung engagieren, oder zu verwandten Themengebieten wie Konfliktbewältigung, Entwicklungspolitik, Governance, Menschenrechte u.v.m. arbeiten. In Zeiten, in denen der Konflikt vielerorts wieder aufflammt, ist es umso wichtiger zu wissen welche Organisationen den Frieden vorantreiben und wie deren Netzwerk aussieht.

FASresearch hat diese Organisationen  in einer von 2019 bis 2020 durchgeführten globalen Studie auf einer Landkarte festgehalten.

Die Studie wurde von Porticus, einer internationalen Organisation, die die philanthropischen Programme der Unternehmerfamilie Brenninkmeijer entwickelt und einen Beitrag zu Menschenwürde, sozialer Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit leisten will, beauftragt. Damit wollte Porticus eine Momentaufnahme der Landschaft der Friedensförderung liefern und die eigenen Expert*innen über Möglichkeiten zur Stärkung ihrer Arbeit und ihres Feldes informieren und so gleichzeitig die Community of Practice unterstützen und stärken.

Für diese Studie wurden daher 140 Interviews mit Expert*innen und Forscher*innen in der Friedensförderung geführt, 432 Organisation aus aller Welt konnten damit im Kontext von Friedensförderung identifiziert werden.

Wo liegen die geografischen Schwerpunkte?

Während Organisationen mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich das Netzwerk dominieren, liegen die Zielländer überwiegend in Afrika: Südsudan, Kenia und Uganda führen die Liste der Länder an, in und mit denen sich die Friedensförderungsorganisationen des Netzwerks engagieren.

Hat „Peacebuilding“ ein Geschlecht?

565 Personen, die in diesen 432 Organisationen aktiv sind, wurden von den Expert*innen als Multiplikatoren und Change Agents im Bereich der Friedensförderung empfohlen. Erfahrungsgemäß sind in interviewbasierte Studien die Netzwerke zumeist männlicher dominiert, auch bei den Nominierungen. Es ist daher bemerkenswert, dass in diesem Netzwerk eine knappe Mehrheit der Personen - 51 % - weiblich sind.

Wer ist im Zentrum der Friedensförderung?

Der dicht besiedelte Netzwerkkern setzt sich aus einander ähnelnden Organisationen zusammen. Die Top 5 Influencer sind im Netzwerkzentrum angesiedelt: Alliance for Peacebuilding, Peace Direct, Global Partnership for the Prevention of Armed Conflict (GPPAC), Conciliation Resources und Humanity United. Es handelt sich dabei um große internationale Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen oder Allianzen, die global agieren und arbeiten und ihren Hauptsitz in den USA oder im Vereinigten Königreich haben (mit Ausnahme von GPPAC, das seinen Sitz in den Niederlanden hat).

Der Peacebuilding-Forscher John Paul Lederach hat ein Pyramidenschema entworfen, in dem er drei Ebenen der Friedensförderung unterscheidet: Auf der untersten Ebene befinden sich Führungskräfte an der Basis, etwa Vertreter lokale Gemeinden, Mitglieder einheimischer NGOs, Gesundheitsbeamte usw. Sie stehen in Verbindung mit dem größten Teil der Bevölkerung, nämlich denjenigen, die direkt vom Konflikt betroffen sind. Der mittlere Teil der Pyramide steht für die mittlere Führungsebene und Organisationen wie große NGOs und staatliche Einrichtungen, die in der Lage sind, die oberste Führungsebene und die Basis miteinander zu verbinden. Die oberste Führungsebene umfasst die gut sichtbaren politischen, militärischen und religiösen Führer.

Wendet man dieses Schema auf die Organisationen im Netzwerk an, ergibt sich ein anderes Bild, da die oberste Ebene und die Basis wenig ausgeprägt sind (12,3 % bzw. 8,3 %) und die mittlere Ebene die Mehrheit der Organisationen umfasst (79,4 %). Das Netzwerk besteht hauptsächlich also aus einer starken Peer-Gemeinschaft von gleichgesinnten Organisationen und Initiativen, während lokale Organisationen und Akteure unterrepräsentiert sind. Dies ist bemerkenswert, da sich die Friedensförderung als eine Aktivität versteht, die sich in besonderem Maße mit der lokalen Ebene befasst – dort, wo Konflikte ausgetragen und von ihren Akteuren eben auch gelöst werden können.

Nicht „more of the same”!

Den „Gleichgesinnten“ ist die Relevanz der Heterogenität durchaus bewusst. Unter den möglichen Interventionen mit der größten Wirkung für die Friedensförderung wurde daher von den Befragten beispielsweise auf die Bedeutung von local ownership (anstelle von externer Intervention) und die Einrichtung flexibler Finanzierungsmechanismen für lokale Akteure verwiesen. Eine weitere Möglichkeit, um zu vermeiden, dass es zu "more of the same" kommt, besteht darin, die Reihen mit den sogenannten Brückenbauern zu schließen, z. B. mit thematisch orientierten Basisbewegungen (Frauen, Ökologie) oder mit Akademiker*innen. Es gibt eine hohe Motivation unter den Peacebuildern, sich zu engagieren und mit anderen zu kooperieren (durchschnittliche Bereitschaft, sich zu engagieren: 4,5 von 5), was genutzt werden könnte, um Raum für Diskussionen zwischen den verschiedenen Ebenen der Lederarch'schen Pyramide zu schaffen.